
Extract from Institutional Money
Als die Finanzkrise 2008 die Weltwirtschaft erschütterte, war Shaun Heelan einer der wenigen Wall-Street-Banker, die frühzeitig gegen den US-Immobilienmarkt wetteten. Jetzt geht der ehemalige Merrill Lynch-Mann mit einem neuen, hoch fokussierten Value-Fonds an den Start.
Die neu gegründete MAAT Investment Group mit Sitz in München soll bis Januar ihre BaFin-Lizenz erhalten. Der Fonds, der im April 2024 seinen Lizenzantrag stellte, wurde 2023 von Dino Mörtl und Patrick Moosman gegründet. MAAT investiert in europäische Small- und Mid-Cap-Unternehmen und verfolgt einen Value-Investmentansatz mit Fokus auf KMU in Europa.
Unterfüttert wird die Portfoliokonstruktion durch einen firmeneigenen quantitativen Asset-Allocation-Algorithmus, der auf einem modifizierten Kelly-Kriterium basiert – einem Konzept, das ursprünglich aus dem Blackjack stammt und durch Edward Thorps Buch „Beat the Dealer“ bekannt wurde. Ziel ist eine asymmetrische Renditeverteilung: Private-Equity-artige Upside mit begrenztem Downside-Risiko im Sinne von Anleihen.
Radikaler Fokus
Obwohl MAAT aktuell noch keine BaFin-Lizenz besitzt, verwaltet die Gesellschaft Kapital von nicht-europäischen Investoren unter einer SEC-Lizenz. Ein Marketing innerhalb der EU findet bisher nicht statt und ist erst nach Erhalt der BaFin-Lizenz geplant. Zu den Einzelpositionen der hoch konzentrierten Portfolios hält sich das Unternehmen auch nach Nachfrage bedeckt. Aus den Unterlagen geht hervor, dass das geografisch Exposure zu 30 Prozent in Schweden, 30 Prozent in Deutschland sowie 14 Prozent in Finnland liegt. Die sektorale Aufteilung sieht folgendermaßen aus: 31 Prozent IT, 30 Prozent zyklische Konsumgüter und 18 Prozent Industrie. Man folgt einem High Conviction-Ansatz mit durchschnittlich 15 bis 25 Einzelpositionen.
MAAT strebt ein verwaltetes Vermögen von 100 Millionen Euro innerhalb der kommenden zwölf Monate an. Die Kundenbasis umfasst Einzelinvestoren und Ultra-High-Net-Worth-Individuals – das Mindest-Investment liegt bei einer Million Euro. Gespräche mit Family Offices laufen derzeit.
Heelan ist seit August 2024 Chief Investment Officer und Mehrheitsgesellschafter der MAAT Investment Group. Zum Team gehören außerdem seine Ehefrau Jenny Yin Ngan, zuständig für Business Development, Marketing und Investor Relations, sowie Rahul Dchunha, Director of Research, der zusammen mit Mörtl den Algorithmus entwickelt hat.
Heelan gehört zu den Wenigen, die das Vorfeld der Großen Finanzkrise korrekt interpretiert hatten: Als Leiter der Abteilung für Hypotheken-Korrelationen bei Merrill Lynch war er unter den Ersten, die gegen hypothekenbesicherte CDOs short gingen: „Wir kauften CDS-Schutz auf sogenannte Super-Senior-Tranchen von CDOs, hauptsächlich im Bereich gewerblicher Immobilien.“
Im Gespräch mit „Institutional Money“ erinnert er sich daran, wie er bei Merrill Lynch – damals eine der größten CDO-Einheiten an der Wall Street – intern vor einem drohenden Kollaps warnte. „Das Erstaunlichste war der massive Widerstand. Wir galten als verrückt“, so Heelan.
Heelan verschaffte Merrill Lynch schlussendlich Milliarden an Gewinnen, seine Analysen flossen später unter anderem in den mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Artikel „The Magnetar Trade: How One Hedge Fund Helped Keep the Bubble Going“ (ProPublica, 2011) ein und dienten als Grundlage für mehrere Bücher über die Finanzkrise.
Andere Karrierestationen führten Heelan unter anderem zu DW Partners, BlueCrest Capital; von 2017 bis 2024 war er Partner beim – ebenfalls Münchner – Hedge Fonds Paradigm Capital, von dem übrigens auch die MAAT-Gründungsmitglieder und die meisten Mitglieder des Managements stammen.
Als nächstes: The Small Short?
Nach Einschätzung von Heelan dürfte die nächste Krise innerhalb der US-amerikanischen Märkte für verbriefte Kredite mit hoher Wahrscheinlichkeit im Segment der Subprime-Autokredite entstehen. Zwar erwartet er keine Verwerfungen in der Größenordnung der globalen Finanzkrise von 2008, doch sieht er einen spürbaren Risikoaufbau – insbesondere bei Unternehmen wie Carvana, die aus seiner Sicht ein besonders hohes Risikoprofil aufweisen.
Aus Heelans Sicht ist der Ursprung dieser Entwicklung in der regulatorischen Neuausrichtung nach der Finanzkrise zu finden: Die deutlich verschärften Anforderungen an das Gegenparteirisikomanagement und die umfangreicheren Compliance-Vorgaben hätten das Hypothekengeschäft für viele Institute strukturell unattraktiv gemacht. In der Folge habe sich der Fokus zunehmend auf Autokredite verlagert – sowohl bei Konsumenten als auch bei Finanzakteuren.
Laut Heelan ist das Volumen ausstehender Autokredite in den USA, Großbritannien und Europa in den vergangenen 14 bis 15 Jahren stark gestiegen. Gleichzeitig hätten sich die Laufzeiten deutlich verlängert, während Tilgungsstandards abgeschwächt worden seien. MAAT rechnet auf dieser Grundlage mit einer möglichen Korrektur oder sektoralen Krise in diesem Bereich innerhalb der nächsten 18 Monate. (sp)


